Sri Aurobindo – Der integrale Yoga

Sri Aurobindo ist ein weiterer großer Heiliger Indiens. Seine Person und sein Werk des Integralen Yoga sind von beeindruckender Größe und Ausstrahlung. Er lebte von 1872 bis 1950.

Seine Neuerungen auf dem Yogaweg sind evolutionär. Hier ein Zitat aus dem Buch „Licht auf Yoga“, erstes Kapitel, Das Ziel:

„Der Weg, dem dieser Yoga folgt, unterscheidet sich hinsichtlich seines Zwecks von anderen Yoga-Wegen, denn sein Ziel besteht nicht nur darin, den Menschen aus dem üblichen, nichtwissenden Welt-Bewußtsein zum göttlichen Bewußtsein emporzuführen, sondern auch die supramentale Kraft dieses göttlichen Bewußtseins in das Nichtwissen des Mentals, des Lebens und des Körpers herniederzubringen, diese zu wandeln, das Göttliche in der Welt zu offenbaren und ein göttliches Leben in der Materie zu schaffen.“
und weiter schreibt er:
„Das ist ein außerordentlich schwer zu erreichendes Ziel und ein schwieriger Yoga. Vielen oder den meisten wird er undurchführbar erscheinen. Alle Kräfte, die im üblichen Nichtwissenden Welt-Bewußtsein wurzeln, widerstreben ihm, lehnen ihn ab und versuchen, ihn zu behindern, und der Sadaka wird in seinem eigenen Mental, Leben und Körper den stärksten Widerstand gegen seine Verwirklichung begegnen.“

Für die indische Weltanschauung ist die irdische Welt nichts anderes ist als Maya, die Illusion der Materie, die vergehen wird. Das Ziel jedes Asketen, jedes Sadhu liegt darin sich der Welt zu entledigen, sie zu überwinden um schließlich ganz ins Göttliche einzugehen. Im klassischen Yoga versucht der Übende beispielsweise mit Hilfe des Rajayoga sich stufenweise hochzuarbeiten, bis er schließlich ins Samadhi, dem göttlichen Bewusstsein, einmündet. Damit ist sein Ziel erreicht.

Mit Aurobindo`s Integralem Yoga kehrt sich eine Jahrtausend alte Tradition um, dies ist sehr bemerkenswert. Die alte „Weltflucht“ wird umgekehrt: nun geht die Bewegungsrichtung aus dem Geistigen in das irdische, materielle Leben hinein! Eine neue Form der Spiritualität ist geboren.

Man darf sich nun nicht vorstellen, dass alles bisherige keine Gültigkeit mehr haben sollte. Sri Aurobindo schätzte die überlieferten Yoga-Traditionen sehr wohl, studierte sie eingehend und integrierte sie auch in sein Werk. Dennoch verwandelte er diese und hob sie auf eine ganz neue zukunftsweisende Stufe empor.

Sri Aurobindo`s Symbol:
Das absteigende Dreieck steht für Sat-Chit-Ananda. Das aufsteigende Dreieck repräsentiert die aufstrebende Antwort der Materie in Form von Leben, Licht und Liebe. Die Verbindung beider – des zentralen Platzes – ist die perfekte Manifestation, in deren Zentrum der Avatar des Höchsten – der Lotus – steht. Das Wasser – innerhalb des Quadrats – repräsentiert die Vielfalt, die Schöpfung. (commons.wikimedia.org)

Wer war dieser Mensch? Und warum wurde er im Osten wie auch im Westen zu Lebzeiten angenommen und gehört?

Da über sein Leben und Werk schon viel und Umfassendes geschrieben wurde verweise ich auf bereits bestehende Seiten, beispielsweise vom Sri Aurobindo Ashram Trust in Pondicherry oder Anthrowiki.

Die Bücher in seinem Werk umfassen durchaus über 300, 400 und 900 Seiten und mehr. Glücklicherweise kann mit 3 kleinen Taschenbüchern ein guter Einstieg gefunden werden, um sich ein erstes Bild von seiner Person, seinem Leben und Werk zu machen:
Sri Aurobindo von Otto Wolf über seinen Lebensgang
Der integrale Yoga von Sri Aurobindo
Licht auf Yoga von Sri Aurobindo
Im Buchversand Auro Media findet sich ein breites Angebot an Literatur.

Hatha Yoga ist nicht explizit Teil des Integralen Yoga von Sri Aurobindo. Dennoch wird sich das Prinzip des Integralen Yoga „von oben nach unten“ zu einer späteren Zeit auf sehr künstlerische Weise in den Körperübungen ausdrücken.
(Hinweis zur Unterscheidung: es gibt noch andere Yoga-Ansätze, die sich Integraler Yoga nennen)

Während bei den meisten Yogastilen genaue Angaben von Übungsformen, Methoden, Meditationen, Ritualen und Anweisungen zu Studien u.v.m. entstanden sind, tritt dies beim Integralen Yoga nicht augenscheinlich entgegen. Dem Interessenten kommt im Wesentlichen die Philosophie entgegen.

Die Philosophie (philosophia, wörtlich „Liebe zur Weisheit“) geht bei Aurobindo allerdings über ein gedanklich-logisches Vorstellen und Nachdenken, dem sogenannten „philosophieren über metaphysische Zusammenhänge“ hinaus. Er versteht Philosophie als eine Beschreibung der metaphysischen Tatsachen, die er auf der Grundlage von spiritueller Erfahrungen erschaut hat. In dieser unmittelbaren, realen geistigen Schau sieht er das Wesentliche Ziel der Philosophie.

Die Bedeutung dieses Lebenswerks werden wir später noch im Zusammenhang mit Rudolf Steiner und Heinz Grill näher beleuchten.

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